Seit einigen Jahren gewinnt die Schulmediation in allen Schul- und Stufenformen zunehmend an Bedeutung. Da Konflikte in sozialen Gemeinschaften unvermeidbar sind und zum Leben dazugehören, ist es Aufgabe der Schule, diese Dinge aufzugreifen und den Kindern Möglichkeiten an die Hand zu geben, mit diesen Facetten des Lebens umgehen zu lernen. Schule hat die Aufgabe, die Atmosphäre im Umgang miteinander zu verbessern, eine Streitkultur zu entwickeln und Wege zu gewaltfreien Lösungen, Friedfertigkeit, Toleranz und Verständnis für die Probleme anderer aufzuzeigen.

Im Schuljahr 2007/ 2008 wurde darum beschlossen, Schüler zu Streitschlichter auszubilden. Ab dem Januar 2008 werden seitdem jedes Jahr etwa 12 Kinder des dritten Jahrgangs zum Streitschlichter ausgebildet.

In einer halbjährigen Ausbildung lernen und stärken die Kinder anhand von acht Stufen die Grundfähigkeiten, welche für diese Arbeit notwendig sind. Dabei wird besonderer Wert auf die Steigerung der Selbst- und Fremdwahrnehmung und die Stärkung der sozialen und kommunikativen Kompetenzen gelegt.

Am Ende des dritten Schuljahres absolvieren die Kinder eine theoretische und praktische Abschlussprüfung. Diese wird in einem offiziellen Rahmen durch die Schulleitung durchgeführt. Die ehrenvolle Ernennung der neu ausgebildeten Streitschlichter stellt einen würdevollen Rahmen dar und verdeutlicht allen Schülern den wichtigen und verantwortungsvollen Charakter dieser Tätigkeit.

Seit Beginn des Schuljahres 2008/ 2009 wird an der Hölterschule die Streitschlichtung von Schülern des vierten Jahrganges für die Klassen 3 und 4 durchgeführt. Jeweils während der ersten großen Pause jeden Tages können die diensthabenden Streitschlichter von sich streitenden Mitschülern bei Problemen hinzugezogen werden. Die Dienste der ausgebildeten Streitschlichter sind in einem „Dienstplan“ festgehalten. Dieser hängt sowohl am Streitschlichterraum, im Lehrerzimmer und auf dem unteren Flur und ist dadurch für alle Kinder und Lehrer jederzeit leicht zugänglich.

Um sowohl für die Kinder als auch für die Lehrer gut erkennbar zu sein, tragen die Streitschlichter ein neonfarbenes Armband und ein Cappy mit der Aufschrift „Streitschlichter“. So stehen die ausgebildeten Streitschlichter dann für kleine Sorgen und Streitigkeiten bereit.

Werden sie zu einem Streit hinzugezogen, steht in der ersten Etage des Gebäudes ein „Streitschlichterraum“ zur Verfügung. Kommt es in einer Pause oder in Ausnahmefällen während des Unterrichts zu einem Konflikt zwischen Kindern des dritten oder vierten Jahrganges, suchen die Streitparteien von sich aus die Streitschlichter auf und gehen mit ihnen in diesen Raum. Dort versuchen die Streitschlichter den anderen Kindern sofort und in aller Ruhe zu helfen, angefallene Konflikte zu besprechen, zu lösen und eine gemeinsame Einigung zu finden.

Ziel der Streitschlichtung ist es, dass die Streitenden miteinander reden und sich gegenseitig zuhören, um die Sichtweise des anderen kennen zu lernen sowie eine gemeinsame Lösung zu finden. Die Beteiligten können selbst bessere Auswege finden als Außenstehende. Die gefundenen Lösungen werden von den Konfliktpartnern in einem „Vertrag“ festgehalten und an einem vereinbarten Nachbesprechungstermin überprüft.

Um den Streitschlichtern Raum für eventuelle Schwierigkeiten zu geben, wird etwa einmal im Monat ein Treffen aller Streitschlichter einberufen, in denen die Kinder ihre Erfahrungen und eventuellen Probleme ohne Nennung der Namen der beteiligten Streitparteien den das Streitschlichter-Programm betreuenden Erwachsenen schildern und sich gegebenenfalls selbst Hilfe holen können.